not perfekt

und verdammt weit davon entfernt

Mein Mann hat mir ein Hochbeet gezimmert. Ich habe ihn nicht einmal lange zu dieser Tat überreden müssen. Er liebt solche Aufgaben und geht voll und ganz darin auf und ich liebe Salat und sämtliche verwandten Grünfutter-Sorten. Und das neue Hochbeet liebe ich auch. Es besteht aus gelben Schalungstafeln (ja ich weiss, nicht die attraktivste Materialwahl, aber ich LIEBE es) und ist in noch viel  liebevollerer Handarbeit, wenn man bei Männerarbeit so berichten darf, entstanden, denn es ist für MICH. Ich bin stolz auf meinen Held. 

Seid ungefähr zwei Wochen besiedeln verschiedene Sorten Salat-Setzlinge das neue, bewundernswerte gelbe Schalungstafeln-Hochbeet. Manche gedeihen gut und einigen sieht man es schon an, dass sie nie den weiten Weg bis auf den meinen Teller schaffen werden. Trotzdem erfreue ich mich an meinem einmaligen, extra für mich geschreinerten Hochbeet. Es ist wirklich DAS schönste Hochbeet weit und breit.

Wir leben auf 1200 m ü.Meer. d.h.: in Sachen Gärtnern war bei uns bis jetzt nicht viel los und ganz ehrlich; ich bin in dieser Kunst auch viel zu wenig bewandert um schon im Winter mit selbst gezogenen Setzlingen und Riesenknollen von rotem Reetrich anzugeben.

Angeben mache ich zwar auch. Mit meinem neuen, einmaligen, aller-schönstem, fast *knall*gelben (die Sonne wird bei der Farbgebung im Laufe des Sommers sicher auch noch ihre Spuren hinterlassen) für mich perfektem Hochbeet.

Und trotzdem bin ich gefrustet. Verärgert. Verwundert. Nicht verzweifelt, aber am Zweifeln, denn so einiges kann ich mir einfach nicht erklären....

Vermutlich habe ich den Sommer verpasst. Dieser Gedanke ist mir schon öfter gekommen, denn wie sonst ist es möglich, dass einzelne schon Gemüse (aus natürlich selbst gezogenen Setzlingen in spitzen- selbst kreierten Erfolgshochbeeten ernten) während ich mit dem Pflanzen noch nicht mal richtig angefangen habe?!

Genauso verhält es sich übrigens auch mit dem Nähen. Während ich, mal immer wieder ein Stückchen an meinen Projekten arbeite - und das über Tage, oder manchmal auch Wochen verteilt, entstehen bei anderen ganze Outfits in Stunden. Daneben wird noch der Haushalt gerockt, die Kinder liebevoll betüdelt, versorgt und die Hausaufgaben beaufsichtigt.

Das Make-up sitzt perfekt und der 80 bis 100 % Job schafft den richtigen Ausgleich und sorgt für eine gesunde Balance. Ich gehöre leider definitiv nicht zu diesen Superheldinnen des Alltags. Bei mir ist nach dem Haushalt immer vor dem Haushalt und Abstauben vergesse ich regelmässig.

Ich weiss, wir leben in einer virtuellen Scheinwelt - aber manchmal - besonders dann, wenn mein Tag nicht so läuft wie gewünscht, treibt mich diese, ach so schöne Scheinwelt mit ihren Hochglanz-Bildern und Halb-Wahrheiten in den Wahnsinn. Geht es NUR  MIR  so???

 

Take care!

Eure Esther    PS.: und ich liebe mein perfektes Hochbeet doch!

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Kommentare: 3
  • #1

    Katja (Samstag, 21 Mai 2016 13:56)

    Liebe Esther
    Hör auf!
    Es gibt sie nicht, die Supermamas!
    Ich dachte auch immer: "wie schaffen Die das?!"
    Es gibt so vieles, dass man von "aussen" nicht sieht...
    Perfekt zu sein ist langweilig ;)
    Bleib wie du bist und setz dich nicht unter Druck :)
    Ganz liebs Grüessli
    Katja

  • #2

    Zwirbeline (Mittwoch, 25 Mai 2016 00:11)

    Achje.....das frag ich mich manchmal auch :-) Aber was solls, ist hier ja kein Leistungsmarathon im Nähen oder ;-)

    Herzlich Zwirbeline

  • #3

    Esther (Mittwoch, 25 Mai 2016 06:58)

    Schön, dass ich mit meiner Meinung/Satire nicht alleine stehe und danke, für eure aufmunternden Beiträge!